Sonntag, 20. Dezember 2015

Obergrenzen

Im Zuge der von den ISIS-Terroristen herbeigeführten Flüchlingssituation fordern ja konservative, rechtspopulistische und ausländerfeindliche Persönlichkeiten ja gerne Gesetzliche "Obergrenzen" für Flüchtlinge. Dabei wird die Frage "Was passiert mit dem ersten Flüchtling, der nach dem Erreichen dieser Grenze ankommt?" aus naheliegenden Gründen ignoriert.

Abgesehen davon, dass es wohl gegen diverse auf europäischer und nationaler Ebene garantierte Menschenrechte verstößt: Es gibt bereits eine Obergrenze. Diese Grenze ist die Realität. 

Wie stellt sich diese reale Grenze nun da? Wo liegt sie? Einserseits gibt es nur eine begrenze Anzahl von Flüchtlingen (Und nein, es steht nicht zu befürchten, dass "die ganze Welt / ganz Syrien / ALLE!!!einself" zu uns kommt, um Asyl zu beantragen.) Die Anzahl der Flüchtlinge, die - sei es pro Tag oder insgesamt - zu uns kommt, ist von vornherein limitiert - das ist die erste Grenze. Die Forderung nach einer gesetzlichen Obergrenze kommt immer nur dann auf, wenn angedeutet werden soll, dass Deutschland weniger Flüchtlinge aufnehmen kann (das ist die zweite Grenze), als hier ankommen. Ein Problem gibt es nur, wenn die erste Grenze höher liegt als die andere. Ansonsten ist alles prima.

Aber genau hier liegt das Problem: Mir ist nicht bekannt, dass jemals jemand mit nachvollziehbaren, wissenschaftlichen Methoden festgestellt hat, wie viele Flüchtlinge Deutschland (pro Tag oder insgesamt) aufnehmen kann, wo also die zweite Grenze liegt. Und selbst wenn eine Untersuchung ergäbe, dass - was anzuzweifeln wäre - die zweite Grenze unterhalb er ersten Grenze liegt - was sollte das für Konsequenzen haben?

"Die Grenzen dicht" - das scheint die bevorzuge Methode von rechten zu sein. Aber ist das notwendig? Könnte Deutschland vielleicht mehr Flüchtlinge aufnehmen, wenn der Aufnahmeprozess effizienter gestaltet würde? Bei der Effizienz ist sehr offensichtlich (*hust* LaGeSo *hust*) Luft nach oben. Erst bei maximaler Effizienz wäre die reale Obergrenze tatsächlich erreicht. Und vielleicht liegt diese dann wieder oberhalb der ersten Grenze  - und alles ist wieder prima.

Natürlich stehen auch für den Fall, dass das nicht reichen sollte, weitere Optionen offen, die allesamt besser als Grenzschließungen sind. Man könnte anfangen, andere Länder endlich zu verpflichten, ihre Obergrenzen ebenfalls zu optimieren und weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Bei Webdiensten nennt man das Load Balancing. 

Oder - und das wäre wohl die nachhaltigste und für alle Beteiligten zufriedenstellenste Option - man könnte die erste Grenze nach unten schieben. Indem man die Gefahr für Leib und Leben durch Krieg und Terror beseitigt. Es ist ja nicht so, als würden die Flüchtlinge zum Spaß hierher kommen. Auch wenn das aus populistischen Kreisen gerne unterstellt wird.

Das beste daran ist: Alle oben genannten Optionen schließen sich nicht mal aus - man kann alle gleichzeitig verfolgen, um damit die Welt ein Stück besser zu machen. Jedenfalls keine Option sind gesetzliche Obergrenzen, die willkürlich festgesetzt werden und niemandes Situation verbessern.

Mittwoch, 16. Dezember 2015

"Natürlich"

Was haben die Gegner von Homoehe und moderner Medizin gemeinsam? Sie teilen sich in trauter Gemeinsamkeit das Argument, das Objekt ihrer Ablehnung sei "nicht natürlich":

Die einen beharren darauf, dass der auf die Reproduktion ausgerichtete Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau der natürliche "Gang der Dinge" sei, die anderen bemäkeln die "hochgefährliche, giftige Chemie" die Basis für moderne Pharmazeutik ist. In beiden Argumentationen stecken gleich mehrere Fehler, über die ich mich hier auslassen möchte.

Zunächst einmal fehlt für gewöhnlich eine Angabe, wie "natürlich" überhaupt zu definieren sei. Denn obwohl es ein völlig normales Wort der deutschen Sprache ist, ist diese Definition alles andere als ein Selbstläufer. Ist nur natürlich, was in der Natur als häufigster Fall vorkommt? Oder, was überhaupt in der Natur vorkommt? Nach letzterer Definition ist Homosexualität definitiv nicht unnatürlich, denn sie kommt in der Natur vor. Und was soll "natürlich" in der Medizin bedeuten? Schließt das jedwede menschliche Einflussnahme auf potentielle Medikamente aus? Wenn nein, ab welchem Bearbeitungsgrad wird eine Medizin "unnatürlich"? Und was ist mit all den anderen alltäglichen Dingen? Ist das verwenden elektrischen Stroms zum Betreiben eines internetfähigen Smartphones unnatürlich? Das Tagen von Kleidung? Oder das Kaufen von Nahrung?

Und selbst wenn man sich schließlich eine Definition von "natürlich" herausgearbeitet hat, sind die Dinge, die die Definition nicht erfasst, deshalb automatisch schlechter als die natürlichen? Ist Natürlichkeit ein geeigneter Güteindikator? Ist Natürlichkeit moralisch? Ein Wert an und für sich? Wenn nein, dann fällt offenkundig das ganze Argument in sich zusammen, denn es beruht auf der impliziten Annahme, dass das Natürliche dem Unnatürlichen vorzuziehen sei. Und wenn das Natürliche vorzuziehen ist, was für ein Leben müsste man dann gemäß dieser Maxime führen? Jedenfalls keines, welches auch nur im Ansatz etwas mit der heutigen Gesellschaft zu tun hat.

Derartige Argumente sind unhaltbar und unsinnig.

Alles neu, alles glänzt

Tja nun. Sieht so aus, als hätte ich jetzt einen Blog. Ich erwarte Leserzahlen im unteren einstelligen Bereich (also... so um die 1), aber das soll mich vorerst nicht abhalten, hier etwas zuschreiben. Manchmal reichen die 140 Zeichen von Twitter halt nicht für einen ordentlichen, nachhaltigen Rant :-)